Cooles Calpis — Milch mal anders

Es wird etwas wärmer, der Wind bläst einem nicht mehr ganz so frostig um die Ohren, es gibt keine tagtäglich neue Schneedecke mehr und es taut. Es könnte also sein, dass demnächst dieser fast schon vergessene Zustand namens Frühling hier bei uns Einkehr erhält.

Nach den vielen bitterkalten Tagen erscheinen einem die paar Grad über Null gerade zu als mildes Wetter… von einer Zeit, in der man über Erfrischungen nachdenkt sind wir allerdings noch meilenweit entfernt. Dennoch möchte ich heute über ein Getränk schreiben, dass eben diese Wirkung besitzt und sich in Japan (und bei solchen, die dieses Land und seine kulinarischen Güter kennen) großer Beliebtheit erfreut: Calpis (カルピス / karupisu), im westlichen Kulturkreis auch als Calpico / CalPico bekannt.

Calpis ist ein japanisches Getränk auf Milchbasis, hat aber geschmacklich mit Milch nicht viel gemein. Ausgangsprodukt für die Herstellung ist fettarme Milch, die nach der Zugabe von Hefe und Lactobacillaceae (Milchsäurebakterien) gegärt wird. Für eine zweite Gärung wird Zucker hinzugefügt, der zusammen mit der Hefe den typischen Geschmack erzeugt. Viele sagen, Calpis schmecke nach Jogurt, was ich allerdings nicht teilen kann. Mir fällt immer nur das ebenso süßliche Yakult ein…

Der Name ist eine Zusammensetzung aus Calcium und Sarpis, was die Bezeichnung für eine von fünf buddhistische Geschmacksrichtungen für Milchprodukte. Ich hätte bis vor kurzem nicht einmal gedacht, dass man davon überhaupt mehrere definieren kann, aber so wie die Inuit mehrere Begriffe für unser banales „Schnee“ haben, gibt es im Buddhismus also mehrere Begriffe dafür wie Milch schmecken kann. Obwohl ich wirklich neugierig geworden bin, habe ich nicht mehr darüber herausfinden können.

Die Geschichte des Calpis beginnt 1904, als MISHIMA Kaiun (三島海雲) auf einer Reise in der inneren Mongolai kultivierte Sauermilch kennenlernte und von dessen Geschmack und kräftigenden Effekts begeistert war. Er gründete daraufhin die Firma Calpis Co., Ltd. (カルピス株式会社 / Karupisu Kabushiki-gaisha), die dieses Milchgetränk am 7. Juli 1919, dem Tag des Tanabata Festes, auf den japanischen Markt brachte. Zu Tanabata (七夕 / „siebter Abend“), das jedes Jahr an diesem Tag gefeiert wird, treffen sich die zwei sich nach chinesischer Tradition liebenden Sterne Wega und Altair, die das restliche Jahr durch die Milchstraße getrennt sind.

Die Gestaltung der Verpackung orientiert sich ab 1922 (siehe links), an den Sternen eben dieser. Zunächst war es ein weißgepunktes Blau, später änderte man das Muster in blaue Punkte auf weißem Hintergrund, denen man bis heute treu geblieben ist. Eine meiner Meinung nach sehr gelungene Neuinterpretation dieser alten Verpackung ist die vom Designbüro Taku Satoh aus dem Jahr 1993 (siehe unten).

Calpis an sich ist etwas dickflüssig, ziemlich süß und besitzt einen deutlichen, aber nicht dominanten Eigengeschmack. Diese Eigenschaften machen es prädestiniert dafür, mit anderen Getränken gemischt zu werden. In Japan kann man es unter anderem mit Wasser (カルピスウォーター / Calpis Water), kohlensäurehaltigem Mineralwasser (カルピスソーダ / Calpis Soda), allerlei Fruchtgeschmäckern (フルーツカルピス / Fruit Calpis) und Alkohol (カルピスサワー / Calpis Sour) kaufen. Letzteres kenne ich noch nicht, ansonsten aber liebe ich in den heißen Tagen japanischer Reisen ganz besonders die mit Kohlensäure versetzten Erfrischungsgetränke.

Die Sauermilchbasis soll neben der Erfrischung sogar gut für die Gesundheit sein. Laut Calpis Co., Ltd. soll Calpis gegen Müdigkeit wirken, bei Stress beruhigen, den Blutdruck senken und sogar gut gegen Neurodermitis sein. Man sollte sich bei dem Konsum allerdings bewusst sein, dass der enthaltene Zucker es im Grunde zu einer Limonade macht, und die ist bekannter Maßen kein Gesundheitsgetränk!

In Deutschland bekommt man Calpis Water und Calpis bei Onlineshops und einigen Asia-Läden. Ein Liter Calpis (auch als „Calpico Konzentrat“ bekannt) kostet in der Regel um die 10 Euro. Da es jedoch sehr, sehr süß ist, kann man aber durch das Verdünnen mit Wasser ein Vielfaches der Menge erreichen. Vorschläge, Calpis günstiger durch das Mischen von Jogurt und Sprite zu bekommen, halte ich für ziemlich abstrus und unnütz, da es eben geschmacklich nicht das ist, was Calpis ausmacht.

Zum Abschluss heute ein Rezept für ein Getränkegemisch, dass ich im Makoto (japanisches Restaurant in Berlin Mitte, Alte Schönhauser Straße 13) kennen gelernt habe: Calpico Mango – die perfekte Mischung von erfrischend, fruchtig und dem typischen Calpi-Geschmack. Für meinen Calpi Soda Mango (bleiben wir mal im japanischen Terminus) mischt man ein Teil Calpis (in konzentrierter Form), zwei Teile Mangosaft und drei Teile kohlensäurehaltiges Mineralwasser. Das ist noch relativ süß und intensiv, sodass man je nach Geschmack ohne weiteres mehr Wasser beimischen kann, ohne dabei den Geschmack zu verwässern.

Ich werde in den kommenden Tagen das noch im Kühlschrank wartende Calpico auch ohne sommerlich hohe Temperaturen genießen und dabei auf den hoffentlich demnächst Vorboten schickenden Frühling warten!

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