In anhaltendem Gedenken

Für viele in Japan ist wieder Normalität eingekehrt, dennoch existiert die prikäre Situation vieler Orts nach wie vor. Und auch ich „erhole“ mich nur sehr langsam von der Schockstarre, die das große Beben und seine Folgen ausgelöst hat. Die Entscheidung gegen einen neuen Banner im Mai habe ich aus diesem Grunde sehr bewusst getroffen. Und wie man sieht, ist auch das neue Design davon sehr geprägt.

In den vergangenen knapp drei Monaten haben wir viel an die Menschen im Krisengebiet gedacht und über Katastrophen – Naturkatastophen, aber auch Menschen gemachte – gesprochen. Gelegentlich wurde ich dabei gefragt, ob Die große Welle vor Kanagawa (神奈川沖浪裏 / Kanagawa oki nami ura von 葛飾北斎 / HOKUSAI Katsushika, um 1830, Teil der Serie „36 Ansichten des Berges Fuji“) einen Tsunami darstellt. Zumindest wird das Bild immer wieder damit assoziiert, auch wenn ich nicht herausfinden konnte, ob der Künstler genau dies implizieren wollte.

Im Header für diesen Monat nutze ich ein weiteres Wellenmotiv: Ein traditionelles Muster, das den Namen Seigaiha (青海波 / Blaue Meereswelle, auch Seikaiha oder Seigainami ausgesprochen) trägt. Es wurde bereits in China zur Darstellung des Meeres auf Karten genutzt und wird in Japan etwa seit der Heian-Zeit (794–1185 oder 1192) verwendet. Der Ursprung des Namens liegt entweder bei dem Künstler Seikai Kanshichi (青海勘七, lebte in der Genroku-Ära 1688-1704), der eine Pinseltechnik zum Auftragen dieses Musters auf Lackarbeiten entwickelte, oder bei einem Stück diesen Namens des höfischen Tanzes Gagaku, bei dem unter anderem Stoffe damit getragen wurden.

Man findet es wie einige andere traditionelle Muster immer wieder: Vollflächig oder als Hintergrund auf Papieren, Stoffen und traditionellen Gegenständen wie Fächern, Kästchen oder Malereien. Viele Muster sind Jahreszeiten-spezifisch wie Kisch- oder Pflaumenblüten für den Frühling oder Ahornblätter für den Herbst. Seigaisa kann das ganze Jahr hindurch genutzt werden, besonders wird es jedoch im Sommer verwendet, denn es soll erfrischend wirken. Es wird oft aber nicht ausschließlich in Blau dargestellt, wie auf dieser Papierstellwand, die ich im Takayama Jinya (高山陣屋) fotografierte — einem alten Regierungsgebäude der Kanamori, die die Wellen sehr häufig nutzen.

Bitte vergesst nicht, dass in Japan noch lange nicht alles wieder so ist wie zuvor!!

Quellen:

1) Seigaiha (JAANUS, 2011-06-02)
2) Seigaiha (Immortal Geisha, 2011-06-02)
3) Japanese patterns and motifs (Sweet Persimmon, 2011-06-02)
4) Die große Welle vor Kanagawa (Wikipedia, 2011-06-02)

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