cooling down to get startet

It is August and this means the starting shot for the project bringing this blog back to life: My graduation work with the topic ›Japanese traditional patterns and motives / 日本の文様 / Nihon no Monyou‹. For the research I am staying in Tokyo for quite some time. This means poring over books, visiting libraries and going for photo walks to collect impressions.

Es ist August und das bedeutet den Startschuss für das Projekt, das diesen Blog wieder zum Leben erweckt: Meine Abschlussarbeit mit dem Thema ›Japanische traditionelle Muster und Motive / 日本の文様 / Nihon no Monyou‹. Für die Recherche verweile ich für einige Zeit in Tokyo. Das bedeutet Bücher wälzen, Bibliotheken besuchen und Foto-Spaziergänge machen um Impressionen zu sammeln.

First thing I did was looking into the eight books regarding the subject I found so far. (One is missing on the picture.) I am eager to decode this beautiful language I now have seen so many signs of.

Zunächst habe ich mir die acht themenbezogenen Bücher angesehen, die ich bisher gefunden habe. (Eines fehlt auf dem Foto.) Ich bin voller Tatendrang, diese schöne Sprache zu entschlüsseln, von der ich nun so viele Zeichen gesehen habe.

Japan during this season means heat and humidity. The wave pattern Seigaiha and the color blue are commonly used to cool down your body. But to be honest, the air-condition does a much better job.
The futurefire blog still got a new header for a chilling effect. And as you might have noticed there is another change. Following requests I am going to write both in English and German from now on.

Japan zu dieser Jahreszeit bedeutet Hitze und Schwüle. Das Wellen-Muster Seigaiha und die Farbe Blau werden häufig genutzt um den Körper herunter zu kühlen. Ehrlich gesagt ist die Klimaanlage dabei allerdings deutlich effektiver.
Für den kühlenden Effekt trägt der futurefire blog nun aber dennoch ein neues Titelbild. Und wie ihr womöglich bemerkt habt, gibt es noch eine weitere Veränderung. Anfragen folgend werde ich ab nun sowohl auf Deutsch als auch in Englisch schreiben.

One of the interesting things I am devoting myself to is to get a feeling for how these traditions are used in modern Japan. And almost as soon as I arrived I stumbled over this powerful billboard. It’s an advertisement for the TV channel NHK BS プレミアム / NHK BS Premium. ›にっぽんプレミアム—日本を知る番組たちへようこそ。/ Nippon Premium—Welcome to the programs that knows Japan.‹ This is the summer version of a poster series clearly emphasizing that this is definitely about Japan!

Eines der spannenden Dinge, mit denen ich mich befassen werde, ist, ein Gespür dafür zu bekommen, wie diese Traditionen im modernen Japan genutzt werden. Beinahe direkt nach meiner Ankunft stolperte ich über diese starke Plakatwand. Es handelt sich um eine Werbung für den Fernsehsender NHK BS プレミアム / NHK BS Premium.  ›にっぽんプレミアム—日本を知る番組たちへようこそ。/ Nippon Premium—Willkommen bei den Programmen, die sich mit Japan auskennen.‹ Dies ist die Sommerversion einer Posterserie, die ganz klar betont, um welches Land es hier geht.

Düsterschwarz & Zuckersüß

Zum größten Teil entstehen Artikel in diesem Blog als Nebenprodukt eines Projekts, einer Auseinandersetzung mit etwas Japanischem oder des über-etwas-Stolperns. Ein Großteil meiner Zeit fließt gerade in ein umfangreiches Projekt. Ich arbeite an einem Buch, das die deutsche Visual-kei Fanszene beschreibt.

Visual-kei / ヴィジュアル系 bedeutet so viel wie ›Visueller Stil‹, kommt aus Japan und ist im Grunde ein Label, das auf Bands und Musiker geklebt wird, die in einem bestimmten Spektrum extremeres Styling nutzen als es ein Großteil der Gesellschaft gewohnt ist. Wie im Gothic gibt es hier weder einen bestimmten Mode-Stil noch eine einzige Musikrichtung, sondern verschiedene Strömungen. Ein Großteil der Musiker ist männlich und gibt sich oft auffallend androgyn, einige bewusst feminin. Typische ›maskuline‹ Attribute – besonders aus westlicher Perspektive – sucht man oft vergeblich. Kostüme bzw. Bühnenoutfits fallen stärker auf als bei Mainstream-Bands, aber nicht unbedingt extremer als in anderen Nischenkulturen. Viele Bands sind eher düster, in der Regel aber auch mit farbigen Elementen wie bunt und intensiv kolorierten Haaren. Andere Musiker tragen ausgefallene Kostüme von Superhelden, Monstern oder märchenhafte, westliche Gewänder. Die Outfits im Oshare-kei / おしゃれ系, das sich vor gut zehn Jahren aus dem Visual-kei entwickelte, sind modisch und absolut nicht düster. Die von den Bands gewählten Konzepte spiegeln sich auch in der Musik wider, die von Rock dominiert wird, aber keineswegs darauf limitiert ist. Die Fans sind meist weiblich und relativ jung. Und ihnen, zumindest den deutschen, gilt mein Interesse.

Um die Jahrtausendwende gelangte das Interesse am Visual-kei durch das Internet nach Deutschland und in die ganze Welt. 2005/2006 wurde die Medien hierzulande auf das Phänomen aufmerksam und berichteten darüber – meist alles andere als zur Zufriedenheit der Fans, die merkten, dass es um die Story, nicht um ein genaues Hinblicken ging. Ich war einer von ihnen. Die Journalisten wie auch die Wissenschaftler, die die Szene darauf hin präziser als Jugendkultur untersuchten, interessierten und interessieren sich meist nur für einen Aspekt: Die neue Form von Japan-Freaks, die internetgenerierte Szene oder das Spiel mit Androgynität. Es fehlt die intensive, breit gefächerte Auseinandersetzung, die die Gemeinschaft der VK-Fans betrachtet. Ein Teil, aber lange nicht alle von ihnen, nennen sich ›Visus‹ und identifizieren sich mit Visual-kei als Subkultur, orientieren ihren Modestil an dem, was sie von ihren Lieblingsmusikern kennen. Manche adaptieren alternative japanische Straßenmoden und wieder anderen sieht man ihr Interesse nicht an. Es ist eine Gemeinschaft von Fans, von Faszinierten mit vielen Facetten, die den Reiz spüren, der von Visual-kei ausgeht.

Der Hauptteil des Buches Düsterschwarz & Zuckersüß lässt die Fans in ihrer Vielseitigkeit zu Wort kommen. Umfangreiche Interviews erläutern die Motive und Interessen derer, die sich zur Szene zugehörig fühlen, und erklären die Aspekte, in denen sie sich von anderen Jugendlichen unterscheiden und gleichen. In einem zweiten Teil werden dokumentarische und inszenierte Fotos ihre Worte illustrieren und ergänzen. Den Abschluss bilden Artikel über die Entstehung und Entwicklung des Visual-kei sowie ein Glossar mit Szene- und Fachbegriffen.

Ich bin froh, keine wissenschaftliche Abhandlung zu verfassen, und doch ist eine intensive, gewissenhafte und wissenschaftliche Arbeit für mich unerlässlich. Nur mit dieser Basis kann ich dem Anspruch, die deutsche Fanszene und ein Phänomen aus einem Land, das nicht mein Mutterland ist, vorzustellen gerecht werden. Ich gehe seitenweise Artikel, Berichte und Artikel durch und informiere mich über das visuelle wie musikalische Spektrum der Künstler.

All dies kostet unendlich viel Zeit, die mir für meinen geliebten Blog nun fehlt. Über Etappen und Fortschritte im Projekt berichte ich aber auf einer Seite bei Facebook. Sollten sich aber Teilthemen ergeben, über die es sich hier zu berichten lohnt, ist es gut möglich, dass hier kein absoluter Dornröschenschlaf eintritt.

Schwimmende Juwelen

Das Leben hat manchmal wunderschöne Wege, Kreise zu ziehen. Zu Beginn meines ersten Auslandssemesters hatte es mir der Goldfisch (jap. 金魚 / Kingyo) besonders angetan. Und nun wurde der 玉川上水 / Tamagawa-jōsui (Tamagawa-Kanal), die kleine Oase mit ihren unermütlichen Koi, in die ich mich bereits nach meiner Ankunft verliebt hatte, zu einem Projekt.

Der Ursprungsort der 鯉 / Koi ist nicht genau bekannt. Vielleicht stammt er aus dem Donau-Gebiet, dem Aral-See, China, Japan oder Korea. Sicher ist jedoch, dass es in China bereits vor 2.500 Jahren farbige Karpfen, auch 錦鯉 / Nishiki-goi (wörtl. Brokat-Karpfen), gegeben hat. Er ist seit jeher ein Symbol der Stärke, da er der einzige Fisch ist, der es schafft, den Gelben Fluss hinauf zu schwimmen (jap. 滝登り / Taki-nobori, Hinaufschwimmen eines Wasserfalls). Dort gibt es die starken Stromschnellen Longmen (japanisch 龍門 / Ryūmon), was Drachentor bedeutet. Der Legende nach verwandeln sich Karpfen, die es zur Quelle des Gelben Flusses schaffen, in Drachen.

In Japan entdeckte man die ersten farbigen Mutationen in Weiß, Rot und Gelb um 1800 in den Regionen, in denen seit dem 18. Jahrhundert in Verbindung mit gewässerten Reisfeldern Karpfenzucht betrieben wurde. Seine große Popularität erhielt der Koi jedoch erst mit der Taisho-Ausstellung 1927 als der Kronprinz Hirohito, studierter Biologe, sieben farbige Exemplare geschenkt bekam. Von Japan aus wurde er dann weltweit berühmt.

Der Koi symbolisiert nicht nur Stärke, sondern auch Mut, Durchhaltevermögen und Erfolg. Im Durchschnitt wird er 50 bis 70 Jahre alt (in Teichen jedoch meist nicht älter als 10), soll aber bis zu 200 Jahre erreichen und steht daher auch für ein langes Leben. Auch verspricht er Glück und Reichtum. Und da das Kanji für Liebe 恋 ebenfalls Koi gesprochen wird, ist er auch ein Zeichen für Liebe und Freundschaft. Man nennt ihn den König der Flüsse und er ist der beliebteste Fisch in Japan.

Ein äußerst potenter Fisch also – kein Wunder, dass die Samurai der Muromachi-Ära ihn für seine Tapferkeit bewunderten. Er ist außerdem ein beliebtes Motiv in der japanischen Tätowier-Kunst, dem 入れ墨 / Irezumi. Hier wird er in der Regel den Wellen der Stromschnellen entgegen schwimmend dargestellt. Die Verbindung mit Ahornblättern ist traditionell korrekt, da die Karpfen im Herbst die Flüsse hinauf schwimmen, es gibt jedoch viele moderne Motive zusammen mit Sakura– oder Lotusblüten.

Heute wird der Koi als Motiv ganz besonders mit dem 子供の日 / Kodomo no Hi (Tag der Kinder), bis 1948 端午の節句 / Tango no Sekku (Knabenfest) am 5. Mai in Verbindung gebracht. Man hängt zu Ehren der Kinder bzw. traditionell der Söhne 鯉のぼり / Koi-nobori (Koi-Fahnen) auf, die im Wind quasi dem Strom entgegen ›schwimmen‹. Ein großer, schwarzer für den Vater der Familie, einen roten oder orangenen für die Mutter, Blau steht für einen Sohn, Rot oder Pink für eine Tochter. Die Familie, deren Koi-nobori auf dem Foto zu sehen sind, hat entweder nur einen Sohn oder ist traditionell. Man wünscht, die Söhne bzw. Kinder mögen so mutig, stark und erfolgreich wie die Koi werden. Oder wie 金太郎 / Kintarō, eine legendäre Figur, die oft mit einem Koi zusammen gezeigt wird.

Der Sage nach war Kintarō ein übernatürlich starker, dicklicher Junge, der im Wald des Ashigara Berges von einer 山姥 / Yamamba (Berghexe) aufgezogen wurde. Über seine Geburt gibt es unterschiedliche Versionen. Eine besagt, die Yamamba selbst sei seine Mutter gewesen, sein Vater ein roter Drache in Form eines Blitzes. Eine andere, er sei Sohn einer Prinzessin aus Sakata, die mit ihm wegen eines Streites zwischen ihrem Mann, einem Samurai, und dessen Onkel hatte fliehen müssen. Oder aber er wurde als Kind ausgesetzt.


Kintarō von Utagawa Kuniyoshi, um 1835 (Quelle: Wikipedia.de)

Er trug einen Lendenschurz mit dem Zeichen 金 / Kin (Gold) und besaß eine Doppelaxt. Seine Kindheit und Jugend verlebte er glücklich. Er war mit den Tieren des Waldes befreundet, sie lehrten ihm sogar ihre Sprache, und sein Lieblingshobby war das Ringen. Niemand konnte ihn besiegen. Nicht einmal ein Bär und ein riesiger Koi – den größten, den man je gesehen hatte. Nach seinem Sieg schloss er mit beiden Freundschaft und sie ließen ihn auf sich reiten.

Eines Tages kämpfte er gegen 酒呑童子 / Shuten-dōji, den großer Herrscher der 鬼 / Oni (Dämonen), der die Region in Angst und Schrecken versetzt hatte. Der Samurai 源頼光 / MINAMOTO no Yorimitsu sah diesen Kampf, den Kintarō natürlich gewann. Er bildete diesen darauf hin zum Krieger aus und ernannte ihn zu einem seiner vier wichtigsten Kämpfer, den 四天王 / Shitennō (vier Himmelkönige). Weitere Symbole für das Knabenfest und die Zeit um Anfang Mai sind daher der Samurai-Helm und die Schwertlilie. Kintarō trug fortan den Namen 坂田金時 / SAKATA Kintori, der wie Minamoto eine real existierende Persönlichkeit war.

In meiner breit gefächerten Recherche erkundigte ich mich auch nach den Giebelkarpfen, die viele Dächer zieren. Nach einer frustrierten Suche, fand ich heraus, dass es sich dabei gar nicht um einen Koi, sondern um ein Fabelwesen mit dem Namen 鯱鉾 / Shachihoko oder kurz 鯱 / Shachi bzw. auch Shachihoko handelt. Es besitzt einen Tiger-Kopf und den Körper eines Karpfens. Ein mystisches Wesen also, das ein wenig an die zu Drachen gewordenen Koi erinnert. Das Kanji für Shachi bedeutet auch Orca-Wal (hier nur Shachi) und besteht wie das mystische Geschöpf selbst aus den Radikalen für Fisch (魚 / Sakana) und Tiger (虎 / Tora). Es entstand in Japan und ist in China daher unbekannt. 鉾 / Hoko ist ein Speer.

Man spricht dem Shachihoko, der im Wasser lebt, zu, den Regen kontrollieren zu können. Als Giebelfigur (japanisch 鴟尾 / Shibi) schützt er also wie die Fisch-Figur über der Feuerstelle in japanischen Bauernhäusern vor Feuerausbrüchen. Die 鴟尾 / Shibi, die wegen ihrer Schuh-ähnlichen Form auch 沓形 / Kutsu-gata (Schuh-Form) genannt werden, stammen aus China und kamen in der Asuka-Zeit (538/592–710) nach Japan. In der Edo-Zeit wurden sie populär und zierten die Dächer vieler Burgen, Paläste, Tempel und Samurai-Häuser und ab der Meiji-Zeit auch private Häuser der breiten Bevölkerung.

Man sagt: 鯱鉾立ちも系の中 / Shachihoko-tachi mo gei uchi – einen ›Shachihoko-Stand‹, also Handstand, als Kunst verkaufen. Und wenn man zu Fuß läuft, hat man Zeit die Shachihoko zu betrachten. ›Auf Schusters Rappen‹ heißt auf Japanisch also: 金の鯱鉾を睨んで / Kane no Shachihoko wo narande – die goldenen Shachihoko anstarren. Und dies werde ich auf meinen Reisen fortan mit mehr Wissen als zuvor tun. Die Giebelfiguren anstarren / betrachten, so wie die Koi im Tamagawa-jōsui im Grunde jedes Mal, wenn ich eine der Brücken überquere und ein wenig Zeit erübrigen kann.

Quellen:

1) Koi (Wikipedia.de, Anfang Mai 2012)
2) Kintarō (Wikipedia.de, Anfang Mai 2012)
3) Shachi 鯱 or Shachihoko 鯱鉾 (Japanese Buddhist Statuary, Anfang Mai 2012)
4) Shachihoko – der „Giebelkarpfen“ (Japan Almanach, Anfang Mai 2012)
5) 和独辞書 (Wadoku.de, Anfang Mai 2012)

Allumfassender Zauber

Eines der herausragendsten Merkmale Japans ist der hohe Kontrast zwischen Tradition und Moderne. In den Unterrichtsräumen, Werkstätten und Ateliers beschäftigen sich die Studenten der Musabi mit zeitgenössischer Kunst und aktuellem Design. Sie leben wie alle Menschen ihres Alters im Zwiespalt zwischen Ausleben von Freiheit und Blick auf den Ernst des Arbeitslebens. Dennoch werden in den Clubs, die auf Schülerinitiative nach den Kursen stattfinden, traditionelle japanische Künste gelernt, erprobt und gelebt, wie 弓道 / Kyūdō, japanisches Bogenschießen, und 茶道 / Sadō, der Weg des Tees.

Das rituelle Zubereiten von Tee, genauer gesagt, 抹茶 / Matcha, japanischer Pulvertee, nennt sich 茶乃会 / Cha no Kai (wörtlich ›Teetreffen‹) oder einfach 茶の湯 / Cha no Yu – ›heißes Wasser für Tee‹. Zur kalten Jahreszeit wird dieses Wasser in einer in den Boden eingelassenen Feuerstelle (炉 / Ro) erhitzt. Aber ich werde als blutiger Anfänger den Versuch gar nicht erst wagen, zu erklären, was die japanische Teezeremonie bedeutet.

Dies soll mich aber nicht abhalten meiner immer größer werdenden Faszination für diese japanische Kunst zu folgen und ihr mit dem Juni Header einen kleinen Platz auf diesem Blog einzuräumen. Als ich mich entschied die Grundlagen des Sadō zu erlernen, war ich vor allem auf der Suche nach einer Form der Meditation, nach etwas Ruhe zu meinem aufgewühlten Innenleben und arbeitsintensiven Unialltag. Je mehr ich jedoch übe, lerne und lese, desto mehr wird mir bewusst, wie klein dieser Bestandteil eigentlich ist.

Es ist weniger eine Reise in mich selbst, als eine, die mich die großen Verbindungen erkennen lässt, eine Reise nach außen. So schön es auch sein mag, zu lernen, selbst Matcha schlagen zu können, der große Zauber liegt am Zusammenspiel der einzelnen Komponenten. Man sagt »一期一会 / Ichi-go-ichi-e« (eine Zeit, ein Treffen), jede Teezeremonie ist einzigartig. Selbst wenn die gleichen Menschen erneut zusammen kommen, ist die Situation eine ganz andere. Jahreszeit, Gegenstände und das Innenleben der Personen hat sich verändert. Eine andere Zeit, ein anderes Treffen. Jeder Moment ist einzigartig.

Die 床の間 / Takanoma (Zimmernische) bei einer Teezeremonie, zu der wir im Mai eingeladen waren, zierte ein 掛け軸 / Kakejiku mit einem Samuraihelm und dem Spruch ›Niemals kämpfen, immer siegen‹ – ein klarer Bezug auf das am 5. Mai gefeierte Knabenfest (heute ›Tag der Kinder‹). Die Elemente sind nicht nur auf die Jahreszeit, sondern auch aufeinander abgestimmt. Der Name des 茶杓 / Chashaku (Teelöffels), der bei der Zeremonie verwendet wurde, lautet ›Langspeer‹. Unser Teemeister erklärte, die wahre Schönheit und Harmonie liegt gerade darin, wenn die Dinge nicht reibungslos zusammen passen. Also im Widerspruch, dass eine Waffe ja zum Kämpfen gefertigt wird, es aber heißt, man könne bzw. solle kampflos siegen.

Mein Studium japanischer Motive ist mir im Verständnis dieses komplexen Zaubers von Vorteil, aber ganz eindeutig befinde ich mich am Anfang eines langen, langen, erleuchtenden Tee-Weges.

Kirschblütenregen

Die Kirschblütenzeit ist zwar seit Anfang Mai verklungen, auf mehrfachen Wunsch hin – viele fragen nach Japans vielleicht berühmtesten Wahrzeichen – ein fotografischer Nachtrag zum vorangegangenen Artikel über die formidable Sakura.

Auch rückblickend muss ich mal wieder sagen, wie phantastisch der Frühling in Japan ist – selbst wenn er, wie dieses Jahr geschehen, vergleichsweise kühl ausfällt. Und die Baumblüte, ganz besonders die allgegenwärtigen Zierkirschen, sind ein absolutes Highlight.

Der Anblick auf in voller Blüte stehende Bäume ist überwältigend. So wundervoll kann ein Samstagabend nach einer anstrengenden Arbeitswoche aussehen.

Die mir liebste Zeit bricht dann an, wenn die Blütenblätter schneegleich hinab regnen und den Boden mit ihrem sanften Flaum bedecken. Die Wiesen auf dem MAU-Campus waren erfüllt vom flockigen Rosa-Weiß – und Studenten, die ihre Mittagspause umgeben von diesem wundervollen Anblick genossen.

Die feinen Blätter wehen von den Bäumen und tanzen über den Grund. Und bleiben liegen, sie tauen nicht, wie man es fast erwarten würde.

Und ich gebe zu, würde ich gemustertes Fensterglas mögen, dieses könnte mit seinem gekonnten Sakura-Muster durchaus zu einem Favoriten werden.